Hochzeitsnacht

In unserer modernen, aufgeklärten Gesellschaft hat die Hochzeitsnacht viel von ihrer ursprünglichen Bedeutung und alles von ihrem lange auch vorhandenen Schrecken verloren. Heute gibt es zwar durchaus Frauen, die ohne sexuelle Erfahrungen in die Ehe gehen, aber zumindest wissen sie theoretisch Bescheid und werden daher nicht völlig überrumpelt.

Früher war die Nacht nach der kirchlichen Trauung der Zeitpunkt für den ersten Geschlechtsverkehr des Paares. So sieht es auch heute noch die katholische Kirche, nach deren Überzeugung eine Ehe erst dann vollzogen ist, wenn die beiden miteinander geschlafen haben. Zumindest früher führte dies verschiedentlich zu erschreckenden Szenen und entsetzlichen Ängsten, da die jungfräuliche Braut meist überhaupt nicht wusste, was auf sie zukam. Wahrscheinlich waren Hochzeitsnacht und das spätere Sexualleben für die Brautmutter eine solche Qual, dass sie auch gegenüber der Tochter keine Bemerkung darüber verlieren mochte.

Selbstverständlich fehlte es nicht an Ratgebern, die in Buchform Tipps für eine glückliche Ehe gaben. Speziell in den 1950ern nach den Schrecken des Krieges, als man sich wieder auf gesellschaftliches Leben und familiäres Glück besinnen durfte, erschien eine wahre Flut. Und natürlich ging man auch auf die Hochzeitsnacht ein, wenn auch nur in sehr dezenten Andeutungen. Aus heutiger Sicht sind diese Bücher amüsant bis peinlich. Und es ist mehr als fraglich, ob es überhaupt einen einzigen Mann gab, der ein solches Werk gelesen (und zudem die Ratschläge beherzigt) hat.

Noch viel schlimmer waren besonders hübsche Frauen dran, die im Mittelalter zur Zeit der Leibeigenschaft lebten. Damals hatte der Herrscher bzw. der Lehnsherr das - ius primae noctis -, also das Recht, als erster mit der Braut zu schlafen. Allerdings streiten sich die Historiker darüber, ob dies nicht eher im Bereich der Phantasie anzusiedeln ist, es sich also um einen klassischen Geschichtsirrtum handelt. Zumindest aber wäre es durchaus verständlich, zumal auch davon berichtet wird, dass der Bräutigam seine Frau gegen Zahlung eines bestimmten Betrags davor bewahren könne. Mehr Menschenverachtung geht kaum!

Wie die jungen Ehepaare heute ihre Hochzeitsnacht verbringen, wird ganz individuell gehandhabt. Für viele ist sie nach wie vor eine besondere Nacht, da sie erstmals als Ehepaar zusammen sind. Andere Paare ziehen es vor, die gesamte Nacht durchzutanzen und zu feiern, bis sie am nächsten Morgen zusammen mit ihren Gästen ein deftiges Frühstück einnehmen.

 

Foto: by Penneloni / pixelio.de

Stichwörter zum Thema
brautnacht, brautpaar, ehe, hochzeitsnacht, romantik, sexualität, trauung, zweisamkeit
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